I Ching Secrets 17.03.2012: Vier Sternen-Gottheiten und der sie und die Menschen kontrollierende himmlische Herrscher Di im „Großen Wagen“ auf einer Gebäudewand in Peking und im I-Ging!

Für die vier Jahreszeiten zuständige  Sternen- und Richtungs-Gottheiten und der sie und die Menschen kontrollierende himmlische Herrscher Di auf Inspektions-Reise im „Großen Wagen“ auf einer Gebäudewand in der Altstadt von Peking und im I-Ging.

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Die 64 Hexagramme des I-Ging stehen der Reihe nach für die 64 Solarperioden von zweizweidrittel Jahren. Eine Solarperiode umfasst 14 Tage, ein Hexagramm-Paar steht deshalb für einen Mond-Monat von 28 Tagen. Wenn man die Hexagramme des gleichen Monats der zweizweidrittel Jahre zusammenfasst – das sind jeweils 6 bzw 4 Hexagramme, so ergibt die Verteilung ihrer Trigramme (jedes Hexagramm setzt sich aus zwei Trigrammen zusammen) auf dem Kreis des Frühen oder Ursprünglichen Himmels für jeden Monat ein Diagramm, das offensichtlich eine Sternenkonstellation darstellen soll. Die meister der sich so ergebenden 12 Diagramme lassen sich einzelnen in Sternkarten überlieferten Sternkonstellationen zuordnen, wie z.B. dem Sternbild des Großen Wagens, dem Sternbild des Dreibeinigen Rabens oder dem Boot Tianchuan in der Milchstraße. (Siehe die Weblogs vom 17.10., 6.11. und 20.11. 2010!)

 

Die ältesten Sternbilder in China, die schon lange vor der Han-Zeit bekannt waren, sind die 28 Mondstationen. Das sind die 28 Sternkonstellationen, welche der Mond in seinen vier Phasen bzw. 28 Tagen durchwandert. Sie liegen auf der Ekliptik. Das ist die Ebene, auf der die Erde um die Sonne kreist. Auf der gleichen Ebene bewegen sich auch die anderen Planeten sowie der Mond. Von der Erde aus wird die Ekliptik als eine (imaginäre) Linie am Himmel wahrgenommen, auf der die Sonne, die Planeten und auch in etwa der Mond ihre Bahn ziehen. Dabei bewegen sich die genannten Himmelskörper immer durch die gleichen Sternbilder, nämlich die 28 Mondstationen.

Indem man die Zeit der Auf- und Untergänge bzw. Kulminationspunkte dieser Gestirne beobachtet, können die Jahreszeiten bestimmt werden. Die Beobachtung der Zeit der Auf- und Untergänge sowie der Kulminationspunkte dieser Gestirne diente der Erstellung eines Kalenders, der wichtigsten Aufgabe eines Kaisers im Alten China, das ja vor allem ein Agrarland war. Hierauf beruhte die Bedeutung der 28 Mondstationen.

Ungefähr zur Han-Zeit (206 vor bis 220 nach Chr.) wurden diese 28 Sternbilder in 4 Gruppen mit je 7 Sternbildern unterteilt, wobei jede Gruppe einer Himmelsrichtung bzw. einer Richtungsgottheit sowie einer der vier Jahreszeiten entspricht. (Die Jahreszeiten beginnen in China etwa eineinhalb Monate eher als bei uns. Die Tagundnachtgleichen und Sonnenwenden stehen in China nicht am Anfang der Jahreszeiten wie bei uns, sondern in der Mitte. Der Sommer z.B. kulminiert zur Sommer-Sonnenwende.) Darüber hinaus wurden die alten Feudalstaaten in China als irdische Entsprechungen einer oder mehrerer Mondstationen betrachtet.

 

Die 4 Sternen- und Richtungs-Gottheiten, zuständig für je 7 Mondstationen, sind:

der Grüne Drache Cang Long des Frühlings und des Ostens,

der Rote Vogel Zhu Que des Sommers und des Südens,

der Weiße Tiger Bai Hu des Herbstes und des Westens sowie

der Schwarze Krieger Xuan Wu des Winters und des Nordens.

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Auf Reliefs der Han-Zeit wurde der Schwarze Krieger als Schildkröte abgebildet. Die große Fluss-Schildkröte Bie war ein heiliges Tier, da ihre Schale für Weissagungen verwendet wurde. Orakel werden vor allem vor kriegerischen Unternehmungen befragt. Der Schwarze Krieger war vielleicht deshalb dem Norden zugeordnet, weil von dort immer wieder Nomaden-Einfälle drohten, die es abzuwehren galt. Wie Grabfunde zeigen, haben die vier Richtungsgottheiten ihren Ursprung in sehr alten Zeiten, die Jahrtausende vor der Han-Zeit liegen.

Der Grüne Drache Cang Long stieg zur Frühlings-Tagundnachtgleiche zum Himmel empor und brachte den Regen, so die mythologische Vorstellung. Der Rote Vogel des Südens könnte seinen Ursprung im jährlichen Vogelflug Richtung Süden und seiner Rückkehr von dort haben.

Der Tiger war ein Tier der Berge. Er kam im Herbst in die Ebenen herab und wurde verehrt, weil er die Wildschweine dezimierte, welche die Felder verwüsteten.

Die vier Sternen- und Richtungs-Gottheiten sind in dem Buch „The Chinese Sky during the Han“ von Sun Xiaochun und Jacob Kistemaker, Brill Verlag 1997 abgebildet und mit ihren Eigenschaften beschrieben.

 

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Der Autor fand ihre Reliefs aber auch auf einer Gebäudewand in der Altstadt von Peking (Siehe Fotos!). Desweiteren ist auf dieser Gebäudewand ein einachsiger, von einem Pferd gezogener Wagen dargestellt. In dem Wagen befindet sich offensichtlich der himmlischen Herrscher Di  auf seiner Inspektionsreise rund um den nördlichen Himmelspol. Sein Wagen symbolisiert das Sternbild des Großen Wagens am Himmel, das ja nicht untergeht, sondern den nördlichen Himmelpol umkreist.

Nach Sima Qian (ca. 145 bis 90 v. Chr.) sitzt In ihm der Herrscher Di und kontrolliert die vier Kardinalpunkte der Welt, indem er den nördlichen Himmelspol (in etwa identisch mit dem Polarstern) umrundet. Er teilt das Yin und das Yang, reguliert die vier Jahreszeiten, hält das Gleichgewicht zwischen den fünf Phasen aufrecht, reguliert die Bewegungen der Himmels-Objekte und entscheidet über die periodischen Entwicklungen aller Epochen und über den Kalender. Soweit Sima Qian.

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Das Sternbild Großer Wagen ergänzt hier auch die vier Elemente Holz, Feuer, Metall und Wasser um das fünfte Element Erde. (Das Trigramm Erde besteht aus drei durchbrochenen Linien, drei Yin-Linien, wie sie anscheinend rechts oben auf dem Relief angebracht sind.)

Die Richtung, in welche die Deichsel des Sternbildes Großer Wagens am Himmel weist, zeigt die Jahreszeit an.

Das Relief ist zweimal auf der Gebäudewand angebracht, einmal

In der Höhe unterhalb der vier Sternengottheiten und einmal am Fuß der Gebäudewand in Höhe der Straße. Diese letztere Darstellung soll offensichtlich klar machen, dass der himmlische Herrscher Di bei seiner Inspektionsreise auch durch die  Straßen der Städte fährt und die Tätigkeiten der Menschen sowie des

Herrschers kontrolliert.

Die ununterbrochen andauernden Inspektionsreisen des himmlischen Herrschers Di auch hinunter zur Erde symbolisieren die Abhängigkeit des Lebens der Menschen von der „Anderen Seite“. Die Menschen waren sich

dieser Abhängigkeit mehr oder weniger immer bewußt und haben ihr auf sehr unterschiedliche Weise Ausdruck

verliehen.

In dem Weisheitsbuch I-Ging, das ja auch als Kalender diente, ist wie in zurückliegenden Weblogs beschrieben, für anscheinend jeden der 12 Monate des Jahres ein Sternbild verborgen. Desweiteren enthält das I-Ging offensichtlich auch vier Diagramme, welche den oben genannten vier Sternen- und Richtungsgottheiten der vier Jahreszeiten entsprechen bzw. diese darstellen. Man erhält diese Diagramme als Verteilungen der Trigramme der Hexagramme, welche den vier Jahreszeiten entsprechen.

Die Trigramm-Verteilungen der Hexagramme der vier Jahreszeiten gehen aus der folgenden Tabelle hervor:

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Die sich aus ihnen auf dem Kreis des Frühen Himmels ergebenden Diagramme sind im folgenden dargestellt. Den Kreis des Frühen Himmels erhält man, wenn man die acht Trigramme auf einem Kreis in der Reihenfolge des Frühen Himmels anordnet. Auf dem Kreis mit den acht Trigrammen in der Reihenfolge des Späten Himmels ergeben sich keine symmetrischen Darstellungen.

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Die vier Sternen- und Richtungs-Gottheiten des Frühlings, Sommers, Herbst und Winters werden durch die Trigramm-Verteilungen der Hexagramme dargestellt, welche den vier Jahreszeiten zugeordnet sind. Welche Trigramm-Verteilungen könnten in diesem Zusammenhang dem Sternbild des Großen Wagens zugeordnet sein, in dem Herrscher Di den nördlichen Himmelspol umkreist und die Jahreszeiten „reguliert“, wie es Sima Qian formuliert?  Wenn es die Trigramm-Verteilungen der Hexagramme aller vier Jahreszeiten sind, dann ergibt sich das hier gezeigte Bild, das an ein großes Rad erinnert. Wie das Rad des Himmelswagen mit dem Herrscher Di in der Abbildung oben weist es acht Speichen auf.

 

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